Philipp Allendorff ist jetzt Winzermeister!

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Artikel aus der FNP

Der 26-Jährige hat seine Fortbildung zum Winzermeister abgeschlossen. Zwei andere Kollegen aus dem Rheingau sind vorher ausgestiegen.

Wicker – „Das Thema Betriebswirtschaft, also welche Kosten ich habe und welchen Preis ich für mein Produkt verlangen muss, wird für uns Winzer immer wichtiger“, sagt Philipp Allendorff.

Seit 2021 arbeitet er im Familienbetrieb mit, im Weingut Weidenmühle in Wicker. Nach und nach soll er den Betrieb vom Vater Stefan Allendorff übernehmen.

Kürzlich hat der 26-Jährige seine Fortbildung zum Winzermeister abgeschlossen – als einziger aus diesem Meister-Jahrgang, der im Rheingau in einem Familienbetrieb arbeitet.

Beim Weingut Künstler in Hochheim gelernt

„Die reguläre Winzerausbildung habe ich 2018 beim Weingut Künstler in Hochheim begonnen“, erzählt Allendorff. „Danach habe ich zwar verstanden, wie man Wein macht, aber die betriebswirtschaftlichen Aspekte haben komplett gefehlt.“

Deshalb entschied er sich, nach zwei Jahren Berufserfahrung die Meisterschule zu besuchen. „Den Winzermeister habe ich dann 2023 bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz begonnen.“

Drei Jahre hat es gedauert, zwei andere Kollegen aus dem Rheingau sind irgendwann ausgestiegen.

Meisterprüfung bei der Landwirtschaftskammer

Laut der Landwirtschaftskammer erfolgt die Vorbereitung auf die Meisterprüfung in einzelnen Lehrgangstagen und Blockveranstaltungen.

Die Fortbildung dauert regulär zwei Jahre und ist stark praxis- und handlungsorientiert aufgebaut. Die Teilnehmer erarbeiten sich die Inhalte anhand konkreter betrieblicher Fragen und praktischer Fälle.

Im ersten Jahr liegt der Schwerpunkt auf Betriebs- und Mitarbeiterführung. Zusätzlich müssen die angehenden Winzermeister eine Projektarbeit anfertigen.

„Ich habe das Thema Vermarktung gewählt“, erklärt Allendorff, „der beste Wein bringt nichts, wenn man ihn nicht verkaufen kann.“

Im Rahmen dieser Arbeit entwickelte er ein neues Erscheinungsbild für das Weingut, darunter ein neues Logo und neue Etiketten.

Künftig anderer Name für das Weingut in Wicker

Künftig soll auch der Name des Betriebs geändert werden. „Es ist wichtig, dass die Menschen einen Bezug zum Winzer haben und ein Gesicht vor Augen sehen“, sagt der 26-Jährige.

Deshalb soll das Weingut Weidenmühle künftig unter dem Namen „Weingut Philipp Allendorff“ auftreten. Die Entwicklung des neuen Markenauftritts habe viel Zeit in Anspruch genommen, sei aber ein wichtiger Bestandteil seiner Weiterbildung gewesen. „Das hat sehr gut funktioniert“, sagt Allendorff.

Im zweiten Jahr der Meisterfortbildung steht die Betriebswirtschaft im Mittelpunkt. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung im Familienbetrieb verschob Allendorff diesen Teil jedoch um ein Jahr. Aus der ursprünglich zweijährigen Weiterbildung wurden dadurch drei Jahre.

Viel zu tun im Wickerer Betrieb

„Zu der Zeit, als ich die Prüfung hätte schreiben sollen, war im Betrieb einfach zu viel zu tun“, erinnert sich der Winzermeister. Rückblickend sei die Verlängerung jedoch kein Problem gewesen.

Andere Teilnehmer aus dem Rheingau hätten ihre Weiterbildung dagegen nicht abgeschlossen. „Einem war es zu viel, ein anderer musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören.“

Umso mehr freue er sich, die Fortbildung trotz der Doppelbelastung erfolgreich beendet zu haben.

Dass sich die Weinbranche verändert, spürt Allendorff während der Fortbildung: „Mit mir haben 2023 noch ungefähr 20 Winzer begonnen“, erzählt er. „Der Jahrgang, der jetzt startet, beginnt nur noch mit etwa acht Teilnehmern.“

Als Ursache sieht er die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche. Der Weinkonsum gehe zurück, während gleichzeitig die Kosten für Material, Energie und andere Betriebsmittel steigen würden.

„Der Verbraucher zahlt dafür aber nicht automatisch mehr Geld“, erklärt Allendorff.

Auch das Verhalten der Kunden habe sich verändert. „Die Leute kommen nicht mehr auf den Hof und machen ihren Kofferraum voll. Sie möchten Wein erleben und ihn in ein Event einbinden“, sagt er.

Mehr Fokus auf Veranstaltungen

Deshalb setzt auch das Weingut Weidenmühle zunehmend auf Veranstaltungen. So soll das bereits im vergangenen Jahr erfolgreiche „Weinleseerlebnis“ erneut angeboten werden.

Gemeinsam mit einem Partner aus Frankfurt verbringen die Teilnehmer einen Tag im Weinberg, erhalten Einblicke in die Arbeit des Winzers, essen gemeinsam und besuchen anschließend den Weinkeller. „Das war toll.

Die Leute hatten direkt einen Bezug zum Wein und wussten, wo er herkommt und wie er hergestellt wird“, sagt Allendorff.

Mit dem Meistertitel könnte Allendorff seinen Betrieb künftig auch als Ausbildungsbetrieb anerkennen lassen. „Theoretisch wäre das jetzt möglich“, sagt er. „Ob ich das machen möchte, weiß ich allerdings noch nicht.“

Seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Fortbildung habe sich sein Alltag spürbar verändert. „Man hat zwar immer noch genug Arbeit, aber es steht erst einmal keine Prüfung mehr an. Das fühlt sich fast wie Urlaub an“, sagt der Winzermeister.